Hessen-Pokal – Souveräner Finaleinzug: Wehen Wiesbaden fertigt FSV problemlos ab

Frankfurt – Der SV Wehen Wiesbaden steht im Endspiel des Hessen-Pokals und trifft am 29. Mai auf den TSV Steinbach Haiger, der sich im parallelen Halbfinalspiel gegen Regionalliga-Konkurrent FC Bayern Alzenau mit 3:2 durchsetzte. Der Drittligist erfüllte derweil die Pflichtaufgabe beim FSV Frankfurt souverän und löste mit einem 5:0 (2:0) das Ticket fürs Finale, wo mit einem weiteren Sieg die erste Hauptrunde im DFB-Pokal erreicht werden kann.

Szene aus dem fast leeren Stadion am Bornheimer Hang.

FSV Frankfurt – SV Wehen Wiesbaden 0:5 (0:2)

Ja, nach 193 Tagen Abstinenz war der Besuch dieses Spiels nun wirklich bitter nötig. Seit dem 31. Oktober 2020 hatte ich als Amateurfußball-Experte sozusagen Zwangsurlaub. Bitter für jemanden der sonst kaum einen Tag ausließ, um in Sachen Fußball unterwegs zu sein. Ob nun Samstags Hessenliga, Sonntags Kreisoberliga Frankfurt oder unter der Woche Kreispokal Gelnhausen. Täglich ein Spiel, am Wochenende auch mal zwei oder drei am selben Tag. Erlebnisse aus einer vergangenen Zeit, die jedoch bald wiederkommen soll. Da der Hessen-Pokal ja eigentlich auch ein Wettbewerb mit Amateuren ist und man die ersten beiden Runden die Auswärtsauftritte von Hessenligist Türk Gücü Friedberg bei Rot-Weiss Frankfurt (5:1) und beim SV Zeilsheim (0:1) begutachtete, wollte man eigentlich schon ab dem Viertelfinale wieder einsteigen. Zuvor hatte der HFV die acht Amateurvertreter im Achtelfinale gegen eine Kompensation im niedrigen vierstelligen Bereich und ein Startrecht im nächsten Wettbewerb elegant ausscheiden lassen. Nun gut – jetzt Halbfinale: Regionalliga Südwest gegen 3. Liga.

Dank des kooperativen Pressebeauftragten des FSV war die genehmigte und georderte Akkreditierung in einem personalisierten Briefumschlag hinterlegt. Schnell war man wieder in seinem Element: Bilder von der Stadionfassade, Spielberichtsbogen im Presseraum abholen und abfotografieren. Eine kühle Limo zum Abkühlen von der Anfahrt mit dem Fahrrad. Und nun ging es in den Block D, um nach einem halben Jahr wieder Stadionluft zu schnuppern – wenn man das unter der FFP2-Maske so nennen kann. Denn Voraussetzung zur Teilnahme an der Veranstaltung war die strikte Einhaltung der vorgegebenen Corona-Regeln. Von oben winkt schon der Kicker-Begleiter des SVWW Matthias, der auch gerne und oft auf Amateurplätzen anzutreffen ist. Mit einem Sitz Abstand sitzt man nun oben auf der Tribüne und tauscht sich aus. Ergiebige Regenfälle prasseln auf die Protagonisten ein, der FSV im traditionellen Schwarz-Blau – Wehen Wiesbaden im neumodischen, schrillen Neongelb. Es fehlt etwas entscheidendes, nämlich die Fans. Die Heimkurve, in der sonst einige kleine Ultragruppen den FSV kreativ und leidenschaftlich mit ihren Gesängen unterstützen, ziert zwar eine große Zaunfahne, aber es steht keiner dahinter.

Handverlesenes Publikum akkreditiert

Ebenso verwaist ist der Gästesektor, in den sich trotz Regen wohl einige aus der Landeshauptstadt oder aus Taunusstein und Umgebung gestellt hätten. Das bedeutet aber nicht, dass kein Publikum da ist. Beim Rundgang durch die Haupttribüne ab der 30. Minute wird festgestellt, dass hier doch mehr als erwartet eine Zugangsberechtigung besitzen. Pressevertreter, Funktionäre, Vereinsmitarbeiter, Verbandsmitarbeiter, Scouts etc. Sogar der gerade erst verpflichtete neue FSV-Trainer Angelo Barletta steht über der obersten Reihe der Haupttribüne. Zeitweise sind sogar FSV-Rufe zu hören, ein klassisches Stadionerlebnis ist es aber nicht. Zum Spiel ist zu sagen, dass es keine große Überraschung war, dass der SVWW durch die schnelle Führung von Gustaf Nilsson (3.) alles im Griff hatte. Die Hausherren gingen zwar engagiert zu Werke, konnten aber offensiv außer einigen Weitschüssen keine Akzente setzen. Mann des Abends bei den Gästen war der Schwede Nilsson, der auch das zweite und dritte Tor markierte (19./49.), ehe der junge Mann in der 66. Minute gegen Philipp Tietz ausgewechselt wurde.

Der FSV gab sich auch dann nicht auf, als die Sensation in unerreichbare Ferne rückte. Doch der Schaden konnte nicht gering gehalten werden. Marvin Ajani (62.) und Benedict Hollerbach mit dem Schlusspunkt zum 5:0 (86.) vollendeten den runden Pokalabend für die Mannschaft aus Wiesbaden. Dessen Trainer Rüdiger Rehm zog dann auch auf der Pressekonferenz ein sachliches Fazit: „Meine Mannschaft ist das sehr konzentriert und seriös angegangen. Wir haben von Beginn an aktiv Fußball gespielt und versucht das Spiel in die Hand zu nehmen und waren direkt in der Anfangsphase sehr effektiv.“ Sein Kollege Thomas Brendel sprach von einem hochverdienten Sieg der Gäste: „Ich habe eine brutal effektive Wiesbadener Mannschaft gesehen. Wir haben aus unseren Möglichkeiten kein Kapital schlagen können. Das Problem bei uns war das letzte Drittel, wo wir uns nicht richtig durchsetzen konnten.“ Brendel sagte zum Abschluss noch auf seine Wehener Vergangenheit angesprochen – er spielte von 2004 bis 2006 auf dem Halberg und trainierte von 2011 bis 2014 die damals noch existente U23 in der Hessenliga: „Vor dem Spiel hat man schon darüber geredet, das ist ja klar. Die aktive Zeit ist natürlich schon länger her als die Trainerzeit bei der U23.“

FSV Frankfurt: Endres – Kunert (80. Burdenski), Sierck, Nothnagel, von Schrötter – Bazzoli, Güclü – Azaouagh (65. Sejdovic), Alawie (65. Straub), Kelati – Hirst. – Trainer: Thomas Brendel.

SV Wehen Wiesbaden: Boss – Ajani, Mockenhaupt (46. Walbrecht), Carstens, Niemeyer – Medic (77. Lais) – Lankford, Chato, Wurtz, Hollerbach – Nilsson (66. Tietz). – Trainer: Rüdiger Rehm.

Schiedsrichter: Jonas Weickenmeier (Lämmerspiel). Zuschauer: offiziell „keine“ – akkreditierte Tageskulisse: 112. Tore: 0:1, 0:2, 0:3 Gustaf Nilsson (3./19./49.), 0:4 Marvin Ajani (62.), 0:5 Benedict Hollerbach (86.).

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